Ehrentafel für John Rabe bei Gruner+Jahr in Hamburg

Biografie John Rabe - Tom Koehler, Hamburg
Biografie John Rabe - Tom Koehler, Hamburg
John Rabe (1882-1950) rettete im chinesisch-japanischen Bürgerkrieg 1938 über 200 Tausend Menschen das Leben durch Einrichtung einer Schutzzone in Nanking

Mit vier Jahren fiel ein kleines Mädchen in eine Hamburger Pfütze. Ein Junge aus der Nachbarschaft half ihr auf. Dann blieben die beiden ihr Leben lang zusammen. So geschah es bei John Rabe, dem Retter von über 200.000 Menschen im chinesisch-japanischen Bürgerkrieg 1937/38. Rabe wurde am Freitag, den 27.08.10, am Gruner + Jahr-Gebäude am Hamburger Baumwall eine Gedenktafel gewidmet. Und die Geschichte einer lebenslangen Liebe erzählte Prof. Dr. Thomas Rabe, der Enkel des Retters, in seiner Laudatio.

Hamburger Wetter zur Ehrung

Das Wetter hätte nicht besser zur Anekdote aus dem Leben eines engagierten Siemens-Mannes passen können. Es regnete sich ein, und eine unverdrossene Schar von Geschichtsinteressierten hielt tapfer unter Schirmen aus, bis Prof. Rabe unter Beifall die Gedenktafel enthüllte. An der Stelle, der Einfahrt zum Gruner + Jahr Gebäude am Hamburger Baumwall / Ecke Stubbenhuk, stand vor dem Krieg das Geburtshaus John Rabe´s. Auf Einladung des Pressehauses sammelte sich die Gemeinschaft danach in deren Räumen. Geert Becker, Sprecher des Arbeitskreises Stadtentwicklung der Patriotischen Gesellschaft von 1765, führte die Anwesenden in die Bemühungen seiner Organisation ein. "Es ist die 35. Gedenktafel, die wir stiften. Und viele werden dazu kommen."

Ehre, wem Ehre gebührt

Dr. Torsten-Jörn Klein, Mitglied des Vorstandes der Gruner + Jahr AG, dankte der Patriotischen Gesellschaft für ihr Engagement und begrüßte herzlich den Enkel des berühmten Deutschen sowie den letzten lebenden Zeitzeugen, Herrn Stuhlmann-Leitz. "Das Sie sich mit 98 Jahren hierher bemühen, macht uns stolz", so Dr. Klein.

Prof. Rabe ließ in seiner Laudatio das Wirken des Großvaters lebendig werden. In warmen Worten sprach er von dem Mann, den die Chinesen noch heute sehr verehren. "John Rabe war ein guter Mensch. Er übte Treu und Redlichkeit". Sein Verdienst war für die damalige Zeit unglaublich. Im Chinesisch-Japanischen Bürgerkrieg drangen japanische Truppen nach Nanking vor. Dort arbeitete John Rabe im Auftrag von Siemens China Corporation. "In Nanking gab es Vertretungen von Siemens und Telefunken. Es war ein lebhaftes Kulturleben, sogar einen Potsdamer Platz gab es." Der Krieg bedrohte die Zivilbevölkerung und die Mitarbeiter der ausländischen Firmen. Rabe organisierte, dass ein ca. vier Quadratkilometer großes Areal zum Schutzgebiet ernannt wurde. Dorthin flüchteten 200.000 bis 250.000 Chinesen und Ausländer.

Hoher Gast

Zu Ehren des Mannes war auch die Generalkonsulin der Volksrepublik China, Frau Chen Hongmei angereist. Sie war über den regen Zuspruch der Veranstaltung hoch erfreut, dankte dem Enkel Prof. Rabe für seine Bemühungen um das Erbe des Großvaters.

Das Leben des Mannes, der bei den Chinesen auf Platz zwei der beliebtesten Ausländer steht, konnte über seine Tagebücher genauestens rekonstruiert werden. Eines davon, "Rabes Biogra-vieh!" in Leder gebunden, zeigte Prof. Rabe stolz den Anwesenden. Mit Karikaturen, Zeichnungen und Fotografien gespickt, geschrieben in schlankem Sütterlin, legt sie Zeugnis ab vom emsigen Wirken. Prof. Rabe: "Wir haben inzwischen fünf Bücher in Zusammenarbeit mit den Chinesen herausgebracht. Darin sind auch sehr wertvolle Fotografien. Die Originale wurden bei der Kulturrevolution des Nachkriegs-Chinas vernichtet."

Unermüdlicher Enkel

Der Heidelberger Professor, Arzt im Dienste der Menschen, hat sich ganz dem Werk des Großvaters verschrieben. In seinem Friedensmuseum will er das Andenken bewahren. Ein Nachbarhaus baute er aus, damit chinesische und japanische Studenten einträchtig nebeneinander lernen und leben können. "Er hat als hanseatischer Kaufmann die Menschen nicht im Stich gelassen. Es waren die Ärmsten der Armen." Sein Erbe soll sein, dass sich die Japaner und Chinesen aussöhnen. "Mögen Nanking und Hiroshima Partnerstädte werden. Nur in der Gemeinschaft ist man stark!"

Tom Köhler, Hamburg, Tom Köhler, Hamburg

Tom Köhler - Tom Köhler, Journalist, Fotograf, Netzwerker, Inhaber der Agentur Abenfarben in Hamburg. www.abendfarben.de

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